HÖRWELT Schacht-Audorf

Der Gemeinsame Weg zu Ihrem Hör-Erfolg

Hier finden sie allgemeine Informationen zur Hörgeräteversorgung und zum Hören mit Hörgeräten

So läuft eine Hörgeräteversorgung ab


Sie haben bereits eine Verordnung vom HNO-Arzt für eine Hörgeräteversorgung:

Sie suchen sich einen Hörakustiker Ihrer Wahl und lassen sich bezgl. einer Hörgeräteversorgung beraten. Wenn Sie das Gefühl haben vertrauenswürdig beraten zu werden, geben Sie die ärztliche Verordnung bei dem Akustiker ab und setzen die Versorgung gemeinsam fort.

Sie können auch einen anderen Hörakustiker aufsuchen und vergleichen. Deshalb, geben Sie die ärztliche Verordnung erst dann beim Hörakustiker ab, wenn Sie sich entschieden haben wer die Versorgung durchführen soll.

Sie haben noch keine Verordnung vom HNO-Arzt:

Sie machen einen Hörtest beim Hörakustiker, der Ihnen eine Empfehlung gibt, ob eine Hörgeräteversorgung angebracht ist.

Wenn ja, dann benötigen Sie eine ärztliche Verordnung vom HNO-Arzt wenn es Ihr erste Hörgeräteversorgung ist. Wenn Sie bereits ein Hörgerät tragen ist der Besuch beim HNO-Arzt für eine Verordnung nicht notwendig. Der Hörakustiker berät Sie dazu.

Wie viel muss / kann ein gutes Hörgerät kosten?

Es gibt Preis- und Leistungsunterschiede bei den Hörgeräten. Der Hörakustiker ist der Fachmann und wird Ihnen eine Empfehlung geben. Diese Empfehlung ist abhängig vom Hörverlust und kann auch von Ihren individuellen Bedürfnissen beeinflusst sein. Brauchen Sie das Hörgerät im Beruf? In Kombination mit weiteren technischen Hilfsmittel?

Besprechen Sie dieses ausführlich mit Ihrem Hörakustiker.

Anpassung

Die Anpassung der Hörgeräte kann 3 bis 4 Wochen oder auch länger dauern.

Abrechnung

Der Hörakustiker reicht die Rechnung bei Ihrer Krankenkasse ein und stellt Ihnen bei Zuzahlung die Rechnung für einen Eigenanteil aus.

Serviceleistungen

Ihr Hörakustiker betreut – bei gleich bleibendem Hörverlust – Ihre Hörgeräte über die nächsten 6 Jahre. Bitte lassen Sie regelmäßig – mindestens 1mal im Jahr – die Einstellung der Geräte kontrollieren.

Gewisse Reparaturen sind als Serviceleistung enthalten

Nutzen Sie Pflegeprodukte vom Hörakustiker. Ihre Hörgeräte sind technisch hochwertige und komplexe Technikteile. Diese funktionieren nur gut, wenn Sie auch gut gepflegt und gewartet werden. Wie Sie bei Ihren Auto Inspektion, Pflege und Ölwechsel machen um lange davon gut zu haben, müssen Sie es auch mit Ihrem Hörgeräten machen.


Kostenübernahme

Voraussetzungen für eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse

Damit Sie eine eventuelle Zuzahlung oder Kostenübernahme – der sogenannte Festbetrag - durch Ihre Krankenkasse in Anspruch nehmen können, ist es Voraussetzung, eine Schwerhörigkeit oder einen Hörverlust durch einen entsprechenden HNO-Arzt bestätigen zu lassen. Dabei muss eine Hörminderung bei den Hauptfrequenzen vorliegen.

 

Sie erhalten nun einen Festbetrag von bis zu ca. 700 Euro pro Hörgerät als Zuschuss. Werden Geräte für beide Ohren benötigt, liegt der Festbetrag bei bis zu ca. 1.400 Euro als Gesamtbetrag. Der Zuschuss für zwei Hörhilfen fällt also deutlich geringer aus.

Auch wenn Sie eine Bezuschussung für ein oder mehrere Geräte erhalten haben, müssen Sie die Kosten für die Rezeptgebühr selbst tragen. Die Gebühr beträgt in der Regel 10 Euro je Gerät.

Eine höhere Zuzahlung – ein erhöhter Festbetrag - wird in der Regel geleistet, wenn Ihre Hörminderung an Taubheit grenzt. 

Die private Krankenkasse

Die Voraussetzungen für eine Bezuschussung durch die privaten Krankenkassen sind mit denen der gesetzlichen Krankenkassen identisch. Das heißt, auch hier müssen entsprechende Nachweise über Hörverlust oder Schwerhörigkeit bei einem Hörtest nachgewiesen werden, damit entsprechende Leistungen seitens der Kasse erbracht werden können. Anders als bei gesetzlich Versicherten existiert allerdings bei privat Versicherten kein Festbetrag für Zuschüsse. Die Höhe dieser wird individuell zwischen Ihnen und Ihrer privaten Krankenversicherung vereinbart.

Dies unterscheidet Festbetrags-Hörgeräte zu Hörgeräten mit Eigenanteilzahlungen

Kostenlose Hörgeräte bieten zwar zahlreiche Ausstattungen, dennoch gibt es einige Unterschiede zu teureren, zuzahlungspflichtigen Modellen. Liegt das gewünschte Hörgerät über dem gesetzlich geregelten Festbetrag dann müssen Sie die Differenz selbst zahlen.
Der Unterschied liegt vor allem im Hörkomfort, Funktionsvielfalt und Diskretion.

Zu den entsprechenden Besonderheiten, die zuzahlungspflichtige Hörgeräte bieten, gehört beispielsweise die sogenannte Frequenzkompression, 360°-Hören, Windgeräuschunterdrückung oder automatische Anpassung an unterschiedliche Hörsituationen. Auch eine moderne Bluetooth-Technologie, mit der Sie Ihre Hörhilfe mit dem Smartphone, dem Fernseher und ähnlichen Geräten verbinden können, ist vermehrt auch schon ab der Mittelklasse zu finden und gilt als zuzahlungspflichtig.

In ungefähren Zahlen

Preiskategorie

Zuzahlung

Basisklasse

10 € bis 500 €

Mittelklasse

500 € bis 1.200 €

Oberklasse

1.200 € bis 2.500 €

High-End

2.500 € bis 4.500 €


In der Praxis können die viele Formen von Schwerhörigkeit mit sogenannten Festbetragsgeräten zufriedenstellend versorgt werden.

Ist die Hörgeräteversorgung höherwertiger als der Festbetrag unterschreibt man eine sogenannte „Mehrkostenerklärung“ beim Hörakustiker. So wird die Krankenkasse informiert, dass sie den Festbetrag zu den Gesamtkosten erstatten soll und Sie eine höherwertige Versorgung gewählt haben.

Die wichtigsten Infos auf einen Blick

  • Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, die Kosten für ein geeignetes Hörgerät im Rahmen des Festbetrages und nach medizinischer Notwendigkeit zu übernehmen.

  • Private Krankenkassen haben eigene Konditionen, die individuell vereinbart werden.

  • Eine Kostenübernahme oder Zuzahlung durch die Krankenkasse bei einer Erstversorgung kann nur stattfinden, wenn ein Facharzt eine Hörminderung festgestellt hat und eine entsprechende Bescheinigung darüber vorliegt.

  • Deckt der Festbetrag die Kosten des ausgesuchten Gerätes nicht ab, kann ein Antrag auf Mehrkostenübernahme oder die volle Kostenübernahme gestellt werden, insofern das Gerät als medizinisch notwendig eingestuft wird oder anderweitige gute Begründungen vorliegen.

  • Möchte ein Patient ein höherwertiges Gerät, ohne dass jedoch eine medizinische Notwendigkeit vorliegt, müssen die Mehrkosten hierfür in der Regel selbst getragen werden.

Der Kauf umfasst die Beratung, die Erstanpassung und alle Nachjustierungen, die routinemäßige Reinigung und eine Servicepauschale.

Die Batteriekosten für den Betrieb der Hörgeräte müssen Sie privat tragen.



Welches Hörsystem ist für meine individuellen Bedürfnisse geeignet?

Hörsysteme gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Man unterscheidet grundsätzlich zwischen Hinter-dem-Ohr-System (HdO) und In-dem-Ohr-System (IdO). Wir beraten Sie gerne, welches System am besten für Sie geeignet ist und passen es an Ihr individuelles Hörprofil an. Entscheidend sind auch Ihre persönlichen Lebensgewohnheiten und -umstände.

  • Sind Sie häufig in großen Gesellschaften?

  • Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus?

  • Nutzen Sie grundsätzlich moderne Kommunikationsmittel?

  • Was ist Ihnen besonders wichtig?

Von diesen und vielen weiteren Fragen hängt ab, welches Hörgerät, welche Bauform, welches Ohrpassstück, welche Technik für Sie richtig sind.

Wir analysieren mit Ihnen gemeinsam Ihren Alltag - und nicht nur den, sondern auch Ihre persönlichen Hörvorlieben, denn auch hier gilt: Jeder Mensch ist anders. Seit einiger Zeit gibt es auch Hörgeräte, die Sie mit Freisprecheinrichtungen im Auto, mit dem Fernseher oder Ihrem iPhone verbinden können – wir klären Sie in der Hörberatung über diese und andere Möglichkeiten auf.

Nach dem ausführlichen Gespräch folgt zumeist das Probetragen von Hörgeräten, die in die engere Auswahl gekommen sind – diese testen Sie ausführlich in Ihrem Alltag. Im Idealfall haben Sie nach dieser Zeit eine genaue Vorstellung davon, welches Hörsystem zu Ihnen passt.


Gewöhnung

Ein Hörgerät macht mehr als nur laut Ein Hörgerät ist in der Lage, nach der Anpassung durch einen Hörgeräteakustiker exakt den Frequenzbereich abzubilden und zu modulieren, in dem der Schwerhörige seine Hörverluste hat.    Das geschieht nach einer audiometrischen Messung anhand exakter Kurven durch einen ausgebildeten Fachmann. Denn das Ziel der Hörgeräteversorgung ist nicht, den Menschen Lautstärke aufs Ohr zu geben, sondern ein ordentliches Verstehen des gesprochenen Wortes zu ermöglichen.    
   
Das Hören wurde verlernt 

Da aber eine Schwerhörigkeit meist nicht schlagartig auftritt, sondern sich über einen längeren Zeitraum entwickelt hat, wurde das „Hörgehirn“ auch darauf trainiert, mit weniger Informationen zurecht zu kommen.    Das geht auch eine ganze Weile gut. Das andere evtl. bessere Ohr hört mit, wir lesen unbewusst von den Lippen ab und wir fragen häufiger nach. Bis dann die Höreinschränkung soweit gediehen ist, dass ein richtiges Verstehen gar nicht mehr funktioniert. Deshalb kommt es auch zu den Anfangsschwierigkeiten. Aber dann hat das „Hörgehirn“, also die Teile des Sinnesapparates und Gehirns, die für das Hören und Verstehen zuständig sind, schon einiges verlernt. Es ähnelt im übertragenen Sinne einem Muskel, der nicht trainiert wurde und erschlafft ist. 

Nach der ersten Anpassung beginnt erst die Gewöhnung 

Der Akustiker nimmt die erste Anpassung vor und entlässt den Kunden dann in sein Umfeld. Der glaubt, mit den neuen Geräten oder dem neuen Gerät jetzt auf Anhieb wunderbar hören zu können. Und so ist es auch meist, die Begeisterung ist anfangs fast immer sehr groß. 

Die Enttäuschung ist groß, anfängliche Begeisterung verschwunden 

Das Hörhirn beginnt, sich wieder an die Eindrücke zu gewöhnen. Denn es wird ja wieder mit Reizen versorgt. In dieser Phase hört der Schwerhörige dann oft mehr, als er hören möchte. Hintergrundrauschen, Geschirrgeklapper, Gläserklingen, Uhrenticken, Vogelgezwitscher, das sind nur einige Beispiele für Geräusche, die er lange nicht mehr wahrgenommen hat. Durch das Hörgerät sind sie aber jetzt wieder präsent und können beim Sprachverstehen stören. Anfängliche Begeisterung verfliegt sehr schnell. Das ist leider mit ein Grund dafür, dass viele Hörgeräte nach anfänglicher Begeisterung zu Schubladengeräten werden.    Dabei ist es aber sehr wichtig, dass die Hörgeräte trotzdem getragen werden. Den ganzen Tag, auch wenn man alleine ist und nicht nur zu besonderen Anlässen. Das Hörhirn muss sich erst wieder an das wiedergewonnene Hören gewöhnen. Ein Prozess, der nicht in zwei, drei Wochen abgeschlossen ist.

Jeder Mensch ist immer und überall von Nutz- und Beigeräuschen umgeben. Um wichtige Informationen (und die wichtigste Information für den Menschen ist die Sprache), ist unser Gehirn in der Lage durch selektives Hören, unwichtige Nebengeräusche wegzublenden. Sie kennen das: Wenn Sie zu jemandem zu Besuch kommen, der in der Nähe der Autobahn wohnt oder bei dem eine Straßenbahn am Haus vorbei fährt, und dann sagt: „Das hören wir schon gar nicht mehr.“ 

Das Hören muss erst wieder erlernt werden – Sie können die Anfangsschwierigkeiten überwinden Diese Fähigkeit hat aber das Gehirn des Schwerhörigen durch die Unterversorgung mit Hörreizen über eine lange Zeit abtrainiert bekommen. Und deshalb muss das Gehirn durch dauerndes Training diese Fähigkeit erst wieder erlernen.    Dauerndes Training, das bedeutet, dass Sie Ihre Hörgeräte immer tragen, daheim und unterwegs und tagtäglich morgens vom Aufstehen bis abends wenn Sie zu Bett gehen. Von dieser Regel gibt es keine Ausnahme. Sie müssen die Hörgeräte so lange wie möglich und so regelmäßig wie möglich tragen! 

 Deshalb ist Ihnen Ihr Hörgerät lästig 

Tun Sie das nicht, passiert Folgendes: Ihr Gehirn fällt jedes Mal, wenn Sie die Hörgeräte nicht tragen, in alte „taube“ Muster zurück. Jedes Mal, wenn Sie die Hörgeräte dann einsetzen, etwa weil Sie an einer gesellschaftlichen Veranstaltung teilnehmen, wird das Gehirn vollkommen überfordert, weil es mit viel zu vielen Reizen überflutet wird. Es konnte noch kein selektives Hören wieder erlernen und Ihnen werden der Raumhall, Stör- und Nebengeräusche und Hintergrundstimmen das Hören zur Hölle machen. Sie wünschen sich dann, die Hörgeräte schnell wieder ablegen zu können. Oft glauben die Menschen dann, das Hörgerät tauge nichts oder der Hörgeräteakustiker habe keine gute Arbeit geleistet. Manche glauben auch, dieses Phänomen sei typisch für Hörgeräte, und sie werden von Altersgenossen, die ebenso verkehrt denken, auch noch in dieser falschen Theorie bestätigt. 

Dabei sind die Folgen fatal 

Inzwischen gehen Wissenschaftler berechtigt davon aus, dass das Nichtversorgen mit Hörgeräten bei Schwerhörigen Demenz fördern kann. Außerdem geraten die Schwerhörigen, die ihre Hörgeräte nicht tragen, in eine soziale Isolation. Sie merken das meist gar nicht, aber das Umfeld nimmt sehr schnell wahr, dass der Betroffene nicht gut hört. Die Mitmenschen überlegen sich dann zweimal, ob sie das Wort überhaupt an ihn richten. Sie werden auch sparsamer mit Informationen, nach dem Motto: „Der versteht das ja sowieso nicht.“

Und obgleich es in dem Satz „Der versteht nicht“ nur um das Hören geht, ist der Schritt nicht weit, auch die kognitiven Fähigkeiten des Schwerhörigen in Frage zu stellen. Dann wird aus einem auf das Hören bezogene „versteht nicht“ ein auf das Begreifen bezogenes. Der Betroffene ist mittendrin und steht doch abseits und isoliert da. Jemand, der schlecht hört, kann Informationen nicht so gut aufnehmen, wie jemand, der seine Schwerhörigkeit durch gute Hörgeräte ausgleicht. 

In Gesprächen bekommt er wichtige Informationen nicht mit. Er versteht zumindest partiell nicht, um was es geht. Beteiligt er sich dann am Gespräch, sagt er mitunter Dinge, die gerade schon gesagt wurden, oder er spricht über etwas ganz anderes, weil er die Kernaussage nicht gehört hat. Gegen Anfangsschwierigkeiten hilft nur eins: Hörgeräte immer tragen Alles das kann auf recht einfache Weise vermieden werden. Nämlich indem Sie Ihre Hörgeräte immer und oft tragen. Schon nach wenigen Wochen, maximal 3 Monaten, hat Ihr Gehirn das selektive Hören wieder gelernt. Es wird Ihnen leichter fallen, Stör- und Nebengeräusche auszublenden, genauer gesagt wird Ihr Gehirn das sogar automatisch für Sie tun. 

Der Hörakustiker hilft 

Dann ist es auch Zeit, wieder zum Hörgeräteakustiker zu gehen. Denn jetzt müssen die Hörgeräte nachgeregelt werden. Sie können so oft die Dienste Ihres Akustikers in Anspruch nehmen, wie Sie möchten. Es ist falsch verstandene Bescheidenheit, den Akustiker zu schonen und nicht belästigen zu wollen. Genau das Gegenteil ist richtig! Notieren Sie sich vor allem bei Anfangsschwierigkeiten auch Kleinigkeiten, die Ihr Hörerlebnis betreffen und teilen Sie das dann dem Hörgeräteakustiker mit. Durch aufmerksames Beobachten der eigenen Höreindrücke und durch regelmäßiges Tragen wird Ihr Hörgerät zu einer echten und wertvollen Hilfe, die Sie am Ende gar nicht mehr spüren. Die Anfangsschwierigkeiten gehören dann der Vergangenheit an. 

 Hörgeräte ausprobieren, testen 

Der große Irrtum: Sie haben kein Hörgedächtnis Hörgeräte bekommen Sie bei fast jedem Hörakustiker kostenlos zur Probe. Diese Testphase nennen die Hörakustiker Ausprobe, weil der Kunde die Geräte ausprobiert. Durch das Tragen der Hörgeräte im Alltag sollen Sie beurteilen können, welches Gerät Ihren persönlichen Bedürfnissen am besten entspricht. Diese Idee ist grundsätzlich gut und hat sich seit Jahrzehnten bewährt. Aber sie ist letztendlich nicht die ideale Strategie, um das passende Hörgerät zu finden. 

Der Hörverlust kam langsam, deshalb müssen Sie sich langsam an Hörgeräte gewöhnen Sie haben den Hörverlust wahrscheinlich nicht plötzlich bekommen, sondern über lange Zeit hinweg erworben. In den meisten Fällen ist die Schwerhörigkeit die Summe vieler schlechter Einflüsse auf die Sinneszellen im Ohr. Im Alter bekommt man leider dann die Quittung dafür. Klingt hart, ist aber eigentlich schon fast normal. Ihr Hörsinn hat lange Zeit den schleichenden Hörverlust ausgeglichen. Wie das einmal war, als Ihre Ohren noch richtig gut funktionierten, daran kann sich ein Mensch grundsätzlich nicht erinnern. Sie werden noch wissen, dass es mal besser war und welche Töne sie gut gehört haben. Aber an den wirklichen Umfang des Tonerlebens können Sie sich definitiv nicht erinnern. 

Der Aha-Effekt kann Sie am Anfang täuschen Deshalb ist bei dem ersten Hörgerät, dass Sie zu Probe bekommen, der Aha-Effekt am größten. Egal, wie gut oder schlecht es eingestellt ist, Sie werden auf jeden Fall einen deutlichen (meist auch positiven) Unterschied zum Schlechthören bemerken. Die Akzeptanz ist nun am größten.    Weiter unten sprechen wir noch über die Eingewöhnung. Mit diesem Hörgerät müssen Sie jetzt Ihre ersten Hörgeräteerfahrungen sammeln. Mit dem ersten Hörgerät sollen Sie sich nur an Hörgeräte allgemein gewöhnen Genau dieses erste Hörgerät sollte ein guter Akustiker Ihnen vorerst optimal einstellen. Vorerst? Ja, erst wenn Sie sich an das grundsätzliche Tragen eines Hörsystems gewöhnt haben, kann sinnvollerweise der nächste Schritt erfolgen, nämlich die Ausprobe verschiedener Hörgeräte. 

Das Tragen eines Hörgerätes ist mit gewissen Veränderungen für Sie verbunden. Sie haben einen Fremdkörper im/am Ohr, Töne klingen fremd, die Bedienung der Geräte ist noch ungewohnt und neu. Außerdem muss Ihr Hörsinn sich erst einmal wieder an die Fülle der Klanginformationen gewöhnen. Jetzt gleich zu urteilen, wie dieses Hörgerät klingt und ob es Ihnen was bringt, wäre viel zu früh. Gutes Hören kommt erst nach der Eingewöhnungsphase Wie oben bereits gesagt, muss Ihr Hörgehirn, Ihr Hörsinn erst einmal damit fertig werden, dass jetzt auf einmal wieder Klänge in großer Fülle vorhanden sind. 

Wichtig ist, dass Sie in stetem Kontakt zu Ihrem Hörakustiker stehen und die Geräte nur moderat anpassen lassen. Das bedeutet, dass der Hörakustiker zu laute Geräte leiser dreht, zu hohe und spitze Töne etwas zurücknimmt usw. Aber gerade die kritischen Situationen, wie Unterhaltungen in einem Restaurant mit viel Hintergrundlärm, müssen Sie einfach durchstehen und viele Wochen „ertragen“. Geben Sie Ihrem Gehirn die Chance, das selektive Hören wieder zu erlernen. Diese Geräusche waren lange Zeit so gut wie weg, damit muss Ihr Gehirn erst einmal fertig werden. 

Erst das Gehirn, dann das Hörgerät, so lautet die Regel, die wir präferieren. Hierzu ist es aber erforderlich, dass Sie ganz genau Hörtagebuch führen. Notieren Sie sich alles, was Ihnen an dem Hörgerät auffällt. Klingt es metallisch, wie wird es mit Störgeräuschen fertig, wann sind Sie zufrieden oder unzufrieden? Geben Sie dem Hörakustiker die Chance, das auszubessern, führen Sie aber danach weiter Hörtagebuch. 


 Auch wenn Sie glauben, Sie könnten sich nach Wochen oder Tagen noch an die Höreindrücke des ersten oder vorherigen Geräts erinnern: Das ist nicht so. Sie haben dazu kein Hörgedächtnis!